Bei Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem (HR+), HER2-negativem metastasiertem Brustkrebs beginnt die Behandlung häufig mit einer Hormontherapie in Kombination mit einem CDK 4/6-Hemmer. Wenn dieser anfängliche Ansatz jedoch nicht mehr funktioniert, gibt es eine Reihe von Zweitlinien- und neu entstehenden Optionen, um das Überleben zu verlängern und die Lebensqualität zu verbessern. Das Verständnis dieser Alternativen – und wie Genomtests als Orientierungshilfe für die beste Wahl dienen können – ist für eine wirksame Behandlung von entscheidender Bedeutung.
Wann sollte ein Behandlungswechsel in Betracht gezogen werden?
Ärzte empfehlen in der Regel eine Änderung, wenn der Krebs trotz Behandlung zu wachsen beginnt, die Symptome wieder auftreten oder bildgebende Untersuchungen ein Fortschreiten der Krankheit erkennen lassen. Ein weiterer wichtiger Indikator ist das Vorhandensein spezifischer Genmutationen wie ESR1 oder PIK3CA, die auf eine Resistenz gegen aktuelle Therapien hinweisen können.
Genomtests mittels Flüssigkeits- oder Gewebebiopsie sind unerlässlich. Flüssigbiopsien (Bluttests) erkennen Krebs-DNA, während für Gewebebiopsien eine Probe vom Tumor selbst erforderlich ist. Beide liefern Einblicke in Mutationen, die als Grundlage für Behandlungsentscheidungen dienen können.
Ihr Arzt wird auch Ihre allgemeinen Ziele und Vorlieben berücksichtigen. Einige Behandlungen erfolgen oral, während andere eine intravenöse Verabreichung erfordern; Verschiedene Medikamente weisen auch unterschiedliche Nebenwirkungsprofile auf. Die Auswahl der Option, die Ihren individuellen Bedürfnissen am besten entspricht, ist von größter Bedeutung.
Zweitlinienbehandlungen: Gezielte Ansätze
Wenn die anfängliche Behandlung fehlschlägt, stehen mehrere gezielte Therapien zur Verfügung. Dazu gehören:
- Selektive Östrogenrezeptor-Degrader (SERDs): Diese Medikamente blockieren Östrogenrezeptoren auf Krebszellen und behindern so das Wachstum. Fulvestrant (Faslodex) ist ein Standard-SERD, das per Injektion verabreicht wird. Neuere Optionen, Elacestrant (Orserdu) und Imlunestrant (Inluriyo), sind speziell für Patienten mit einer ESR1-Mutation zugelassen, von der bis zu 40 % derjenigen betroffen sind, die eine Resistenz gegen die Hormontherapie entwickeln. Obwohl Giredestrant noch nicht von der FDA zugelassen ist, zeigt es in Studien vielversprechende Ergebnisse.
- PIK3CA-Inhibitoren: Ungefähr 40 % der HR+/HER2-Brustkrebserkrankungen weisen eine PIK3CA-Mutation auf. Medikamente wie Alpelisib (Vijoice), Capivasertib (Truqap) und Inavolisib (Itovebi) blockieren das von diesem Gen produzierte Protein und hemmen so das Wachstum von Krebszellen. Capivasertib behandelt auch Krebserkrankungen mit AKT1- oder PTEN-Mutationen. Hinweis: PIK3CA-Inhibitoren werden aufgrund möglicher Nebenwirkungen auf den Blutzucker nicht für Patienten mit Diabetes empfohlen.
- mTOR-Inhibitoren: Für Patienten ohne ESR1- oder PIK3CA-Mutationen bleibt Everolimus (Afinitor) eine praktikable Option, oft in Kombination mit Fulvestrant.
- PARP-Inhibitoren: Wenn BRCA1- oder BRCA2-Mutationen vorhanden sind, können Olaparib (Lynparza) oder Talazoparib (Talzenna) wirksam sein. Diese Medikamente nutzen die Unfähigkeit des Krebses aus, DNA-Schäden zu reparieren, was zum Zelltod führt.
Neue Therapien: Immuntherapie und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate
Über diese etablierten Optionen hinaus werden neue Strategien untersucht:
- Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs): Diese „biologischen Raketen“ befördern die Chemotherapie direkt in die Krebszellen. Fam-Trastuzumab-Deruxtecan (Enhertu) ist für HER2-niedrige Brustkrebserkrankungen zugelassen, während Sacituzumab-Govitecan (Trodelvy) und Datopotamab-Deruxtecan (Datroway) nach Versagen von Hormontherapie und Chemotherapie eingesetzt werden.
- Immuntherapie: Auch wenn sie zunächst gegen HR+/HER2-Brustkrebs unwirksam ist, erforschen Forscher Kombinationen mit Chemotherapie, Hormontherapie oder AKT-Inhibitoren, um den Angriff des Immunsystems auf Krebszellen zu verstärken. PD-1/PD-L1-Inhibitoren wie Pembrolizumab (Keytruda) und Nivolumab (Opdivo) werden untersucht.
Klinische Studien: Zugang zu modernster Behandlung
Die Teilnahme an einer klinischen Studie kann den Zugang zu experimentellen Therapien ermöglichen, bevor diese allgemein verfügbar sind. Ressourcen wie ClinicalTrials.gov können Ihnen dabei helfen, relevante Studien zu finden.
Die Entscheidung darüber, was als nächstes in der Behandlung kommt, ist sehr individuell. Genomtests, Patientenpräferenzen und die Verfügbarkeit klinischer Studien spielen alle eine Rolle bei der Bestimmung der wirksamsten Vorgehensweise.
Letztendlich besteht das Ziel darin, das Überleben zu verlängern und gleichzeitig die Lebensqualität zu erhalten. Durch das Verständnis der sich entwickelnden Landschaft der Brustkrebsbehandlung können Patientinnen und ihre Ärzte fundierte Entscheidungen treffen.


























