Christiane Nüsslein-Volhard ist ein Name, der Ihnen bei Ihrer nächsten Dinnerparty wahrscheinlich nicht in den Sinn kommen wird. Aber wenn Sie am Leben sind, wenn Ihre Wirbelsäule richtig geformt ist oder wenn Ihre Gliedmaßen an der richtigen Stelle gewachsen sind, sind Sie ihr etwas schuldig.
Sie ist eine deutsche Entwicklungsgenetikerin. Und 1995 erhielt sie gemeinsam den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
Es war kein Solosieg. Sie teilte sich die Ehre mit Eric F. Wieschaus und Edward B. Lewis. Der Preis ging an die Entdeckung, wie die frühe Embryonalentwicklung funktioniert. Es klingt abstrakt. Das ist es nicht. Es ist der Bauplan für alle vielzelligen Organismen. Einschließlich uns.
Das Fruchtfliegen-Experiment
Lewis hatte bereits mit der Arbeit begonnen. Er verwendete die Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Auch als Essigfliege bekannt. Es ist ein kleines, lästiges Insekt. Aber es ist ein mächtiges experimentelles Thema.
Auf diesem Fundament bauten Nüsslein-Volhard und Wieschaus auf. 1978 gingen sie an das Europäische Labor für Molekularbiologie in Heidelberg. Sie schloss sich ihm als Gruppenleiterin an.
Sie haben nicht nur geschaut. Sie haben gezüchtet.
Über ein Jahr lang kreuzten sie 40.000 Fruchtfliegenfamilien. Das sind viele Fliegen. Sie untersuchten das Erbgut mit einem Doppelmikroskop. Es war Versuch und Irrtum. Es war anstrengend.
Die Ergebnisse waren atemberaubend.
Von den 20.000 Genen der Fliege sind etwa 5.000 für die frühe Entwicklung wichtig. Nur 140 sind unbedingt erforderlich.
Sie teilten diese Gene in drei Gruppen ein. Dieses Klassifizierungssystem wird auch heute noch verwendet.
- Gap-Gene: Diese legen den Körperplan von Kopf bis Schwanz fest.
- Paarregel-Gene: Diese bestimmen die Körpersegmentierung.
- Segmentpolaritätsgene: Diese erzeugen sich wiederholende Strukturen innerhalb jedes Segments.
Es war keine Magie. Es war systematische Biologie.
Von der Fliege zum Fisch
Nüsslein-Volhard blieb nicht bei den Insekten stehen.
Anfang der 1990er Jahre verlagerte sie ihren Schwerpunkt. Sie begann mit der Erforschung der Gene von Zebrafischen (Danio rerio ).
Warum Zebrafisch? Sie sind ideale Modelle für die Entwicklungsbiologie. Ihre Embryonen sind klar. Man kann in sie hineinsehen. Sie vermehren sich schnell. Und sie sind Wirbeltiere. Eng verwandt mit dem Menschen.
Sie verfolgte Zellen. Sie beobachtete, wie sie im Embryo von ihrem Ursprung zu ihrem Ziel wanderten.
Diese Arbeit hat mehr als nur Fisch erklärt. Es trug dazu bei, Gene und zelluläre Substanzen aufzuklären, die an der menschlichen Entwicklung beteiligt sind. Es gibt Aufschluss über die Regulierung der normalen menschlichen Physiologie.
Der Weg zum Preis
Ihr Weg nach oben war lang.
1968 erwarb sie ein Diplom in Biochemie an der Eberhard-Karl-Universität Tübingen. 1973 folgte die Promotion in Genetik.
Sie war Fellow in Basel und Freiburg. Dann kam Heidelberg. 1981 kehrte sie nach Tübingen zurück. Von 1985 bis 2015 war sie Direktorin des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie.
Die Auszeichnungen häuften sich.
1986 erhielt sie den Leibniz-Preis. 1991 kam der Albert Lasker Basic Medical Research Award. Dann der Nobelpreis.
Sie hat auch geschrieben. Zebrafisch: Ein praktischer Ansatz mit Ralf Dahm im Jahr 2002. Coming to Life: Wie Gene die Entwicklung vorantreiben im Jahr 2006.
Aber die wirkliche Wirkung liegt nicht in ihren Büchern oder ihren Titeln. Es liegt im grundlegenden Verständnis davon, wie sich das Leben aufbaut. Wir lernen immer noch aus den Genen, die sie in Fliegen und Fischen kartiert hat. Die Fragen bleiben. Die Antworten fangen gerade erst an.





















